Der MILLIONSTE BESUCHER WURDE GEEHRT

Freitag, 25. November 2016

Grund zur Freude gab es nach der Vorstellung von IN 80 TAGEN UM DIE WELT am Donnerstag den 24. November 2016.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer gratulierte im Anschluss an die Vorstellung des Musicals IN 80 TAGEN UM DIE WELT Herrn Karl Rittberger als ein Millionsten Besucher des Musiktheaters und betonte in seiner Ansprache: „Wenn wir den ein Millionsten Besucher ehren, so ehren wir unser Publikum. Das beste Publikum, dass es auf der Welt gibt.“ Als Dankeschön wurden dem 1.000.000sten Besucher vier Abos nach Wahl in Form eines überdimensionierten goldenen Abo-Ausweises übergeben.

Des Weiteren überreichte Vorstandsdirektor Uwe Schmitz-Gielsdorf Herrn und Frau Rittberger einen der markanten Hasen aus der Eröffnungsproduktion DIE SPUREN DER VERIRRTEN von Philip Glass, der wohl jedem Besucher dieser Oper in Erinnerung sein wird. „So einen Hasen gibt es nur einmal und nur für den ein Millionsten Besucher“ so Schmitz-Gielsdorf.

HEIMATABEND - REIHE IN SIEBEN TEILEN

Mittwoch, 16. November 2016

Gespräche und Musik aus und über Oberösterreich

AUS DEM BEWEGTEN LEBEN DES WORTES HEIMAT   
 

Kaum ein Wort ist so befrachtet, ideologisiert, verkitscht, missbraucht, aber auch abgelehnt, verhöhnt, verpönt worden wie dieses: Heimat. Für Viele auch in Österreich noch vor wenigen Jahren unaussprechlich, in der Nachbarschaft zu anderen kontaminierten Begriffen, schien dieses Wort vor allem rückwärtsgewandte Sehnsüchte, Provinz und Rückzug vor der Welt oder Schlimmeres zu meinen. Die populäre Subkultur, die sich – ob berechtigt oder nicht – mit dem Beiwort Heimat schmückte, wurde von ernsthaften Kulturbeobachtern, wenn überhaupt, nur mit spitzen Fingern angefasst. Aus der „Heimat“ schien es modrig zu riechen – sicher auch, weil sie ein Lieblingswort des sogenannten Dritten Reiches war. Wer zeigen wollte, dass er die Lektion gelernt hatte, der mied seine Verwendung. Doch das hat sich geändert.

Wie das Theaterstück "NIEMAND" das Licht der Bühnenwelt erblickte

Samstag, 29. Oktober 2016

Vor 92 Jahren verfasste ein 23-jähriger Mann ein Theaterstück. Ein Typoskript ist aufgetaucht, 95 maschinengeschriebene Seiten, gelocht und geklammert, mit dem Untertitel „Tragödie in sieben Bildern“ und dem Copyright-Vermerk „1924 by Verlag, Die Schmiede“. Das Theaterstück heißt Niemand und ist das Frühwerk von einem der meistgespielten Dramatiker des zwanzigsten Jahrhunderts, Ödön von Horváth (1901-1938) aus dem Jahr 1924.

Wo war das Stück zwischen 1924 und 2016?
Bekannt ist eine betrügerische Verlagspleite, verschuldet von zwei zwielichtigen Verlegern, namens Julius Salter und Fritz Wurm. „Friede seiner Pleite“, kommentierte Kurt Tucholsky 1929, der anschließend die gesamte Literaturbranche vor den Beiden warnte. Horváths Niemand, sein drittes Theaterstück nach Das Buch der Tänze (1922) und Mord in der Mohrengasse (1923) trat sodann eine unbekannte Reise an.
Nirgends im Gesamtwerk Ödön von Horváths gab es eine Erwähnung, einen Hinweis, eine Szene oder gar einen ersten Entwurf des Theaterstücks. Einzig in der 1980 erschienenen Horváth-Biographie „Kind seiner Zeit“ von Traugott Krischke, erinnert sich Lajos von Horváth, Ödöns jüngerer Bruder an ein in expressionistischer  Manier geschriebenes Stück in einem blauen Umschlag mit dem Titel Niemand.
Erst Mitte der Neunzigerjahre geisterte Niemand bei einer Auktion in Pforzheim, am Nordrand des Schwarzwaldes herum. Der einzige Bieter erwarb es. Vermutlich ahnte Jener nicht, was er in seinen Händen hielt, wenn man den Schätzpreis von 8000 Euro hört, und wirft das Werk im März 2015, wieder auf den Markt. Diesmal wird es im Auktionshaus J.A. Stargardt in Berlin erkannt und die Wienbibliothek ersteigert am 24. März das bisher unpublizierte Stück um 11.000 Euro. Ein „Schnäppchen“ könnte man sagen.
Einem Bericht aus der Presse konnte man entnehmen, dass am 22. September 2015 das Typoskript in der Wienbibliothek im Rathaus für kurze Zeit zu sehen war. Nun verwaltet der Wiener Theaterverlag Sessler die Verwertungsrechte. Die Einnahmen aus Aufführungen werden in die Wienbibliothek zurückfließen.

Uraufführung und zweite Inszenierung
Enormes Interesse an der Uraufführung zeigten nicht nur österreichische Bühnen, es gab auch internationale Anfragen. Am 1. September 2016 fand die Uraufführung im „Theater in der Josefstadt“ in Wien statt. Als zweites Theater kommt es nun am 3. Dezember 2016 in den Linzer Kammerspielen heraus.

NIEMAND
Tragödie in 7 Bildern 
von Ödön von Horváth
Premiere 3. Dezember 2016 | Kammerspiele

Termine & Tickets

„Da bekomme ich eine rebellische Sehnsucht nach etwas Altmodischem.“

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Der Wiener Philosoph Robert Pfaller demonstriert in seinen Büchern, wie unterhaltsam philosophisches Denken sein kann. Unter anderem untersuchte er, wie sehr wir die Welt der Träume, Wünsche und Illusionen für unser Alltagsleben benötigen. Andere, „neue“ Welten sind dem Philosophen also durchaus nicht fern. Silvana Steinbacher hat mit Robert Pfaller gesprochen.

Herr Professor Pfaller, der neue Intendant des Linzer Landestheaters Herrmann Schneider startet seine erste Spielzeit an diesem Haus unter dem Motto NEUE WELT. Dieses Motto löst sich unter anderem mit Shakespeares Der Sturm, der Oper Solaris oder Brechts Schauspiel Das Leben des Galilei ein, um nur einige zu nennen. Was bedeutet für Sie als Philosoph der Begriff  Neue Welt?

Zunächst muss ich da an Aldous Huxleys "Brave New World" denken, ein Szenario von totaler Überwachung, das heute oft erschreckend wirklich geworden scheint. Da bekomme ich eine rebellische Sehnsucht nach etwas Altmodischem. Dann fällt mir ein, dass der Begriff "Neue Welt" eigentlich selbst etwas charmant Altmodisches an sich hat: er stammt aus einer Zeit, in der die Neue Welt in Übersee nicht nur etwas Exotisches, neugierig Machendes, sondern auch mit politischen Hoffnungen Verbundenes war. Man muss heute doch schon eine Weile zurückdenken, um sich an politische Hoffnungen zu erinnern.

Sehen Sie derzeit Anzeichen eines Aufbruchs, einer Wende? 

Ja. Seit zum Beispiel der Internationale Währungsfonds endlich eingestanden hat, dass die von ihm selbst sowie von seinen politischen Handlangern verfolgte Sparpolitik ein verheerender Fehler war und seit Christian Kern als erster sozialdemokratischer Politiker seit langer Zeit wieder den Mut hatte, von einem "New Deal" zu sprechen, glaube ich, dass Dinge wieder besser werden könnten.

Ich möchte ein Zitat aus Ihrem Buch Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere herausgreifen: „Wenn wir keine Phantasie mehr haben, aus der wir erleichtert ins Leben flüchten können, gerät uns das Leben selbst zu einem ausweglosen Albtraum.“  Wozu benötigen wir diese zweite Welt für unser Leben so dringend?

Mir scheint, dass wir derzeit umgeben sind von Ermutigungen wie "Lebe Deinen Traum" oder "Sei ganz Du selbst". Ich glaube, solche Zurufe wirken in Wahrheit aber entmutigend und vor allem stressend. Die Leute entwickeln dann gewaltige, und teilweise widersprüchliche Erwartungen, und können dann nur noch enttäuscht werden - sofern sie es überhaupt noch fertigbringen, irgendetwas zu begehren. Die Liebespartnerin soll sexy wie ein Filmstar, aber zugleich treu und verlässlich sein. Enorm viel Zeit und Fürsorge für die eigenen Kinder sowie eine steile Berufskarriere sollen sich zugleich in einem Leben ausgehen - dabei geht sich nüchtern betrachtet meist nicht einmal ein Segelboot neben der Karriere aus. Über den Lebenspartner will man alles wissen, aber zugleich soll er ein Geheimnis behalten und begehrenswert bleiben etc. Es ist kein Wunder, dass unter solchen Anforderungen die Fähigkeit zu wünschen, zusammenbricht und wir in einer Gesellschaft der "Müdigkeit" landen, das heißt nach Alain Ehrenberg und Byung-Chul Han: einer depressiven Situation, in der unser Wollen nicht mehr mit dem Dürfen Schritt hält.

Demgegenüber wollte ich denkbar machen, dass der Traum nicht der Masterplan des Lebens ist, sondern vielmehr ein Teil des Lebens - etwas, das nicht unbedingt dazu da ist, Wirklichkeit zu werden, sondern eher dazu, eine Wirklichkeit zu stützen. Wenn der Kellner nicht davon träumen kann, ein Poet zu sein, und wenn die Taxifahrerin nicht phantasiert, Ballerina zu werden, dann haben sie vielleicht nichts mehr, was es ihnen ermöglicht, einigermaßen froh ihrem Brotberuf nachzugehen. Ich kenne übrigens auch Ballerinas, die davon träumen, Taxifahrerinnen zu sein.

Die postmoderne Propaganda lullt die Leute - in allen Bereichen, sogar hinsichtlich des Geschlechts - in die infantile Phantasie ein, sie bräuchten im Leben nicht zu wählen; sie könnten alles zugleich haben, Traum und Leben sozusagen, und das wäre dann ein Riesenglück. Aber was wir dann bekommen, ist doch immer nur ein fauler Kompromiss, eine Art Kaffee ohne Koffein, der meist enttäuschender als jede der Alternativen ist, die wir hätten wählen können. Ein Schüler des Sokrates fragte seinen Meister einmal, ob er Philosoph werden oder doch lieber heiraten solle. Sokrates soll geantwortet haben: "Mach, was du willst. Du wirst so oder so unglücklich werden." Ich lese das so: er wollte ihm die zerstörerische Phantasie vom Riesenglück austreiben und ihn zum Lachen bringen. Nur so konnte der Schüler wohl im Leben froh werden: entweder als Philosoph, der träumt, Ehemann zu sein, oder umgekehrt; der aber diesen Traum als Stütze seines Lebens begreift - sozusagen als dessen verführerischen Hauch -; und nicht als Beweis dafür, dass sein Leben verfehlt wäre. Leider ist uns in der zartbesaiteten Postmoderne dieser schwarze, befreiende Humor des Sokrates abhandengekommen.

Fördert denn  unsere Gesellschaft, unser Bildungssystem Ihrer Meinung nach die Phantasie?

Diesen Eindruck habe ich nicht. Die Entwicklung scheint mir in die entgegengesetzte Richtung zu laufen: den Mittelschülern nimmt man für die Matura die Literatur weg; und den Studenten schreibt man alles vor, was sie studieren sollen, und überfrachtet sie so sehr mit Vorschriften, dass 70 Prozent ihrer Aufmerksamkeit nur für die Formalien ihres Studiums draufgehen.

Inwiefern benötigen wir, um wieder „erleichtert ins Leben flüchten zu können“, auch die Welt des Theaters, die uns im besten Fall neue Räume eröffnet?

Das Theater hat da seit einigen Jahren, wie mir scheint, tatsächlich wieder Auftrieb als Phantasieraum der Gesellschaft - nachdem der Film diese Funktion eigentümlich abgegeben hat.

Der Intendant des Linzer Landestheaters stellte in einem Interview fest „Gerade in einer Zeit wie heute, in der einem jegliche Genüsse ausgeredet werden, tut ein bisschen Hedonismus gut.“
Zum Stichwort Hedonismus möchte ich zwei Produktionen dieser Spielzeit nennen. Mit Falstaff wurde diese Spielzeit eröffnet. Im Jänner nächsten Jahres steht Don Giovanni auf dem Programm. In Ihren Büchern bedauern Sie den Verlust des epikureischen Lebens und die „Verbotskultur“, durch die sich Menschen Ihre Genüsse verwehren ließen, wenn ich Sie richtig interpretiere. Wie hat sich dieses Phänomen in unserer Konsumgesellschaft entwickeln können?


Die neoliberale Politik hat sich eine alte emanzipatorische Forderung zu eigen gemacht, aber sie auf perfide Weise verdreht. Die emanzipatorische Forderung lautete: Der Staat muss alle, aber vor allem auch die Schwächsten fördern. Die neoliberale Politik hat das wie folgt verdreht: Der Staat muss nur die Schwächsten schützen - und zwar vorwiegend durch Verbote; weil das angeblich weniger kostet. Die berechtigte Hoffnung der Leute, vom Staat vor den großen Bedrohungen geschützt zu werden - zum Beispiel vor den deregulierten Finanzmärkten, deren Verwerfungen Millionen Menschen in Europa arbeits- und obdachlos gemacht haben -; diese Hoffnung wurde ersatzbefriedigt durch kleine, unbedeutende Verbote und betuliche Warnhinweise für angeblich ganz besonders Schwache. Weil die Sorge und die Gunst des Staates immer nur auf die Allerschwächsten gerichtet waren, wollten alle plötzlich gern die Allerschwächsten sein und nahmen alle anderen als Konkurrenten und Bedrohung im "Wettbewerb der Opfer" wahr. Dies hatte eine gewaltige Entsolidarisierung in der Gesellschaft zur Folge. Und die Lustfeindlichkeit ist eine Folge der Entsolidarisierung: denn die Genüsse benötigen Geselligkeit, um als lustvoll erlebt werden zu können. Sonst wirken sie schnell eklig. Die wenigsten wollen alleine Alkohol trinken; manche möchten nicht einmal essen, wenn sie alleine sind.

Sind wir auf dem Weg dazu uns entmündigen zu lassen, um es sehr überspitzt zu formulieren?

Ja. Die neoliberalen Pseudopolitiken haben uns suggeriert, dass wir alle kleine Hascherln sind, die bei einem bisschen Tabakrauch oder einem bösen Wort oder auch beim bloßen Gedanken an den Tod schon tot umfallen könnten. Dass wir erwachsene Menschen sind, die in solchen Fragen durchaus auf sich selbst aufpassen können und die auch in der Lage sind, auf ihre Selbsterhaltung mal kurz freudig zu pfeifen, wurde dabei konsequent negiert. Wir brauchen keine Politik, die uns zuruft: "Wir tun alles, damit ihr nicht sterbt." Wir brauchen eine, die sagt: "Erstens sterbt ihr alle sowieso. Das können wir gar nicht verhindern. Und zweitens: sehen wir zu, dass die Zeit davor ein Leben genannt werden kann. Dazu können wir einiges tun." So würde man mit mündigen Bürgern sprechen.

Ich möchte unser Gespräch mit der Kunst beenden, es besteht, so erscheint es mir, zunehmend die Tendenz den Erfolg eines künstlerischen Projekts an den Publikumszahlen zu messen. Wie sehr haben denn noch Projekte abseits des Mainstream eine Chance,  fördert man damit nicht zwangsläufig eine Eventkultur?

Das Messen an Zahlen ist selbst ein neoliberales Symptom: es zeugt von der Entscheidungsschwäche der Politik und von der Überlassung der Entscheidungen an eine sachfremde Bürokratie, die nur nach zweifelhaften Zahlen vorgeht, weil sie von allem anderen nichts versteht. Selbstbewusste Kulturpolitik setzt Prioritäten, sie steuert und fördert dementsprechend, anstatt unkritisch auf Zahlen zu starren.

Und ganz zum Schluss möchte ich noch eine private Frage an Sie richten. Welche Bedeutung hat das Theater in Ihrem Leben?

Ich war in den 70er Jahren ein leidenschaftlicher Theaterbesucher, wurde dann vorwiegend ein Kinogeher und sah mir auf dem Theater lange Zeit nur so spezielle Dinge wie Kurt Palms "Sparverein Die Unzertrennlichen" oder den unvergesslichen "Einzug des Rokoko ins Inselreich der Huzzis" von Karner/Mattuschka/Poschauko an. Seit einigen Jahren kehre ich wieder mehr zum Theater zurück und versuche alles von Marthaler oder Pollesch zu sehen, was in meiner Nähe gezeigt wird, oder auch einige der tollen Tanztheater-Produktionen beim Wiener Impulstanz Festival. Die Fragen der Komödie haben für mich eine sehr entscheidende Rolle gespielt - man kann daraus, wie ich in meinem Buch "Wofür es sich zu leben lohnt" zu zeigen versuchte, einiges über den Materialismus in der Philosophie lernen. Manches davon versuche ich seit kurzem auch selbst auf der Bühne umzusetzen - in meiner Show "Meilensteine der Philosophie. Die großen Knaller zu Gast bei Robert Pfaller" im Wiener Rabenhoftheater.

Robert Pfaller
Der Philosoph Robert Pfaller war von 2009 bis 2014 Ordinarius für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien, heute lehrt er an der Kunstuniversität Linz. Pfaller hat sich durch zahlreiche
Bücher einen Namen gemacht, etwa durch Zweite Welten. Und andere Lebenselexiere, 2012, und Kurze Sätze über gutes Leben, 2015. Auch zur Bühne hat Robert Pfaller eine enge Beziehung. In seiner Show Meilensteine der Philosophie unterhaltsam philosophische Größen nahe.

BAUVERZÖGERUNG BEI DER SANIERUNG DES SCHAUSPIELHAUSES

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Ziel: besser sehen, besser hören, besser sitzen
Die Sanierung von Zuschauerraum und Foyers des Schauspielhauses an der Promenade hat am 2. Mai 2016 begonnen. Der Kostenrahmen ist mit 8 Mio. Euro auf Preisbasis Juni 2014 festgesetzt. Die Eröffnung mit der Produktion DER STURM wurde für 6. Jänner 2017 geplant. Die Proben dafür sollten am 19. Dezember 2016 beginnen. Ziel der Sanierung der Zuschauerbereiche ist, dass das Publikum im traditionsreichen, als Denkmal geschützten Haus des Landestheater an der Promenade in Zukunft besser sieht, besser hört und besser sitzt. Auch die heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Brandschutz und Klimatisierung werden im Rahmen der Sanierung erfüllt.

Unvorhersehbare bauliche und statische Gegebenheiten verzögern um 6 bis 10 Wochen
Die Sanierung eines historischen Gebäudes, das in seiner mehr als 200-jährigen Geschichte mehrere bauliche Veränderungen erfahren hat, stellt eine besondere Herausforderung dar. Obwohl vor Beginn der Sanierung bereits Wände und Decken stellenweise geöffnet wurden, um Voruntersuchungen zu machen und Überraschungen so weit als möglich auszuschließen, zeigte sich im Zuge der Abbruch- und Errichtungsarbeiten eine Vielzahl von unvorhersehbaren baulichen und statischen Gegebenheiten. Diese führen in Summe dazu, dass sich die Sanierung 6 bis 10 Wochen verzögert.

Nicht vorhersehbare, in keinem Plan verzeichnete Besonderheiten überraschten vom Dachgeschoss über drei Geschosse bis in den Keller:
  • Im Dachgeschoss beispielsweise trat zutage, dass tragende Balken, sogenannte Hauptpfetten, sichunzulässig durchbogen.
  • Der barocke Dachstuhl lag einbetoniert auf einer Betondecke auf, die abgebrochen werden musste.
  • Ein für eine neue Stahlkonstruktion eingeplanter Zwischenraum war in der Vergangenheit mit altem Bauschutt gefüllt worden.
  • Im Keller stießen die Arbeiter unerwartet auf einen mächtigen Stahlbetonrost, der eine erforderliche Ausschachtung, eine sogenannte Künette, behinderte.

Umplanung der Klimaanlage

Die Kältemaschinen waren ursprünglich im Dachbereich eingeplant, um die Redoutensäle mitzuversorgen. Brummende, hörbare Störgeräusche durch Vibrationen der Kältemaschinen wären bei bestimmten Betriebszuständen aber nicht auszuschließen gewesen. Daher wurden sie zugunsten einer nachhaltig höheren Nutzungsqualität (garantiert keine brummenden Störgeräusche in Zuschauerraum und Foyers) in den Keller verlegt. Diese Umplanung wurde März bis April 2016 erledigt. Die neue Leitungsführung stieß aber in der Ausführung auf erhebliche statische Probleme und musste mehrmals abgeändert werden. Das hatte Auswirkungen auf alle anderen Arbeiten.

Der Umbau des über 200 Jahre alten Theatergebäudes forderte also noch nach Beginn der Baumaßnahmen immer wieder neue Lösungen für unerwartete Probleme.

Mehrkosten zwischen 5 und 15 Prozent

Die unumgänglichen Mehrleistungen und die Verlängerung der Sanierung werden voraussichtlich zu Mehrkosten zwischen 5 und 15 Prozent führen. Gleichzeitig wird alles daran gesetzt, die Mehrkosten niedrig zu halten und die Sanierung ehest fertigzustellen. Die geforderte Qualität der gestalterischen Maßnahmen, etwa die Restaurierung der historischen goldenen Decke des Zuschauerraums, erfordert ebenfalls noch mehr Zeit.

Premieren sollen durch Umplanungen ermöglicht werden
Voraussichtlich sind die beiden ersten Schauspielhaus-Premieren, nämlich DER STURM und DAS GOLDENE VLIES, von der Verzögerung betroffen. Die Theaterleitung will die Premieren durch zeitliche und räumliche Umplanungen dennoch ermöglichen, um das Publikum nicht zu enttäuschen.

Kartenservice
Telefon 0800 218 000
(kostenfrei aus Österreich)
Telefon International +43(0)732/76 11-400
Montag bis Freitag 9.00 – 18.00 Uhr,
Samstag 9.00 – 12.30 Uhr
E-Mail kassa@landestheater-linz.at

Abo-Service
Telefon 0800 218 000-4
(kostenfrei aus Österreich)
Montag bis Freitag 9.00 – 16.30 Uhr
E-Mail abos@landestheater-linz.at
www.landestheater-linz.at

EIN ÜBERBORDENDES SPEKTAKEL

Montag, 3. Oktober 2016

Dieses bunte, chaotische und fantasievolle Musical ist eine Reise wert!

Die Uraufführung des Musicals IN 80 TAGEN UM DIE WELT, oder WIE VIELE OPERN PASSEN IN EIN MUSICAL sorgte für Begeisterung beim Publikum. Doch wie fällt das Urteil der Presse aus?



„Was wäre das Musical ohne die Oper?“ 

„In Linz reist man in 80 Tagen um die Welt der Oper, Operette und des Musicals.“ Franz Zoglauer war für ATV dabei und war sichtlich begeistert und bezeichnet es als ein „Musical für Opernfreunde …  ein überbordendes Spektakel.“ Mit Melodien aus der Oper und Operette, „die nicht platt zitiert werden, sondern raffiniert weitergeführt. … Dieses bunte, chaotische und fantasievolle Musical ist eine Reise wert. Und nach Linz fährt man schließlich keine 80 Tage!“ so Franz Zoglauers Reiseempfehlung.



„Spektakuläre Bühne – eine wirklich außergewöhnliche Kulisse!“

„Musical mit Opernschmankerln“ so der Überschrift in der Kronen Zeitung zur Kritik von Lena Aschauer für die das Musical „Unterhaltung auf vielfältige, musikalisch hochwertige und liebevoll durchdachte Weise bietet. Um das zu genießen, muss man keinesfalls ein eingefleischter Genre-Kenner sein.“ „Vor allem der „Opern-Maraton“ vom durch und durch großartigen Rob Pelzer (Passepartout) lässt den Lachmuskeln keine Ruhe“ heißt es in der Krone weiter. „Das Design ist überwältigend und sorgt mit der ständigen Veränderung für viel Begeisterung im Publikum.“ Musical1

„Jubelnder Premierenbeifall für alle Mitwirkenden“
„Ein Muss für Musical Fans, aber auch wer intelligente Parodien des Musiktheaters liebt, sollte die „80 Tage nicht versäumen.“ So das Fazit von Paul Stepanek im Volksblatt. Weiter heißt es: „Eine Glanzleistung bietet Karen Robertson als Glawari, Tosca, Turandot und Minnie komödiantisch, wie sängerisch. … Ebenbürtig Rob Pelzer als Passepartout, der als Höhepunkt ein furioses „Liebeslexikon“-Potpourri hinlegt. … Ein Pauschallob gebührt dem Musicalensemble“

„Spektakuläre Leistungsschau – hinreißend komisch“ 

Für Helmut Attender (Oberösterreichischen Nachrichten) will „In 80 Tagen um die Welt musikalisch nicht recht in die Gänge kommen“, dennoch bringt er seine Begeisterung zum Ausdruck und findet Gefallen an den „herrlichen Tanzszenen in wunderbar bunten Kostümen“ und an den „fantastischen Bühnenbildern“. Des Weiteren berichtet er von einem wahren und „völlig zu Rechtem“ „Applaussturm“ für Passepartouts „Opern- und Operettenpersiflage … Das Musical gerät mehr und mehr zur bunten, schwungvollen Revue.“  



„Turbulente Opern-Musical-Reise mit grandioser Ausstattung“

„Wild, schnell, laut und amüsant.“ So das Fazit von Claudia Stelzel-Proell im Kurier. Als „grandios komisch“ bezeichnet sie Rob Pelzer als Passepartout und Daniela Dett ist für sie „stimmlich eine Urgewalt“. „Absolut beeindruckend ist das geneigte Bühnenbild.“ – Und die Kostüme machen die abenteuerliche Reise erst zu dem was sie ist: „Bunte, laute, abwechslungsreiche und komische Unterhaltung auf hohem Niveau.“   


TERMINE & KARTEN

EIN KURZWEILIGER KLASSIKER - Der Alpenkönig und der Menschenfeind



Vergangen Freitag feierte in den Kammerspielen die zweite Schauspielproduktion der Spielzeit ihre Premiere. Der ORF berichtet in einem Beitrag von einem „kurzweiligen Klassiker … Christian Dolezal geht in seiner Rolle als Rappelkopf vollends auf.“ „Ohne Kitsch und Märchenfirlefanz – Regisseur Andreas von Studnitz verschaffte mit der Inszenierung von Ferdinand Raimunds Zauberspiel vor allem „Rappelkopf“ Christian Dolezal eine Bühne … kräftiger Premierenapplaus“ heißt es in der Kronen Zeitung. 



„Absurd-komisch & sehr wienerisch“

„Weniger der Kampf mit dem eigenen Ich steht im Mittelpunkt der Inszenierung, als das Komödiantische“, so beschreibt Mariella Moshammer die Premiere im Volksblatt. „Dolezal sudert sich prächtig durch die zwei Stunden und zehn Minuten. … Sehr wienerisch, wie es von einem Raimund erwartet wird, wird es durch Dolezal in Linz. … Ein wunderbarer Höhepunkt des Abends ist die Musik von Nebojša Krulanović“. Peter Grubmüller von den Oberösterreichischen Nachrichten fehlt dem Komischen der Ernst. „Die Inszenierung von Andreas von Studnitz eröffnet mit einem glänzend auf den Kopf gestellten Schlafzimmer. Sie bringt auch einen schelmisch-diabolischen Alpenkönig (Vasilij Sotke) und einen grandiosen Kammerdiener Habakuk (Stefan Matousch) hervor, einen Menschenfeind im bittersten Sinne hat sie nicht.“ Auch Der Standard hat sich die Premiere nicht entgehen lassen. Michael Wurmitzer hat den Eindruck, dass „das Ensemble mit Lust spielt. Aus dem Orchestergraben herauf versorgt dieweil eine vierköpfige Band die Szenen musikalisch. … herrlich beschwingt und mit schrägen Untertönen.“

TERMINE & KARTEN

ENSEMBLEGESPRÄCH: LINZER KLIMA

Montag, 13. Juni 2016


Barbara Novotny und Thomas Bammer (C) Thomas Jaugk















Die Schauspiel-Ensemblemitglieder Barbara Novotny, Thomas Bammer, Thomas Kasten und Erich Josef Langwiesner im Gespräch über Molière-Proben mit Gerhard Willert, Theater & Leben in Linz und einiges mehr
Das Gespräch findet im Büro der Schauspieldirektion an der Promenade statt. Thomas Kasten entdeckt beim Hereinkommen einen originalen Holzmeister-Tisch, darüber entspinnt sich eine Fachsimpelei …

Du hast also wirklich eine Tischlerlehre gemacht, ich habe immer gedacht, dass sei eine Art Hobby von dir?

Thomas Kasten: Nein, ich bin Tischlergeselle. Ich habe hier in Linz in der Tischlerei Praha gelernt, bis die abbrannte, dann hab ich noch bei der Tischlerei Breiteneder weitergelernt und auch nach der Prüfung als Geselle gearbeitet. Irgendwann aber musste ich ja auch zu dem blödsinnigen Militärdienst. Da hatte ich keine Ahnung, wie ich da raus komme oder was ich da machen soll und dann habe ich mich zu den Panzern gemeldet. Ich war aber schon heimlich am Brucknerkonservatorium zum Schauspielstudium eingeschrieben. Und da war einer, der Gesang studiert hat, aber sich verpflichtet hatte beim Militär, um das Studium zu finanzieren, und der war bei den Sanitätern und der hat gesagt, „du kommst zu den Sanitätern“ und dann war ich eben bei den Sanitätern. Mein erstes Engagement war dann in Bern in der Schweiz. Da bin ich engagiert worden als Anfänger und Inspizient. Hab aber dann Beleuchtung und Ton gemacht, und da der Tischler im ersten Stück krank war, hab ich mit dem Bühnenbildner zusammen gleich mal das erste Bühnenbild gebaut und hab tatsächlich den unglaublichen Lohn von 50 Franken dafür bekommen. In der Schweiz war das nichts. Ich hab 500 Franken verdient.

Erich Josef Langwiesner: Ich habe mal Proben in der Schweiz gehabt, aber fest engagiert war ich nie. Nach St. Gallen sollte ich gehen und dann ist der Intendant weggegangen und was hat der gemacht: Im Mühlviertel Hunde gezüchtet. Einmal ist mir ein Intendant nachgereist und der wollte mich nach Bamberg holen und dann ist der am nächsten Tag gestorben, plötzlich war der tot.

Thomas Kasten: Ich war ja nach Bern ein Jahr in Hamburg. Und dann kam Boy Gobert und der hat alles entlassen. Da bin ich nach Bremen, und in Bremen hat Boy Gobert eine Vorstellung gesehen und hat mir geschrieben, weil er an die Josefstadt geht. Ich wollte ihm zurückschreiben, und dann hörte ich im Radio, Boy Gobert ist gestorben.

Erich Josef Langwiesner: Theateranekdoten, da sitzen wir aber dann noch lange da …

Thomas Bammer: Das ist Spökes, sagt der einzige Piefke in der Runde.

Ihr spielt ja alle in Gerhard Willerts Inszenierung von „Tartuffe“ von Molière zurzeit, zum Teil wart ihr auch schon beim „Geizigen“ dabei?

Thomas Bammer: Ich war dabei, Barbara auch.

Barbara Novotny: Also ich so halb, weil ich ja eingesprungen bin für Jenny Weichert, als sie schwanger war - das gilt also nicht ganz.

Thomas Bammer: Du hast aber viele Vorstellungen gespielt.

Barbara Novotny: Ich hab es fast eine ganze Saison gespielt.

Thomas Bammer: Und Erich hat den großen Schlussauftritt im „Geizigen“ schon geübt.
Barbara Novotny: Den hast du gepachtet.

Thomas Kasten: Da hast du eine andere Perücke, oder?

Erich Josef Langwiesner: Ein bisserl, aber nur ein bisserl.

Was ist das Besondere daran, mit Willert Molière zu machen, und was macht euch Spaß daran? Ich sehe doch den Spaß regelrecht aus euren Augen blitzen, wenn ihr das macht …

Erich Josef Langwiesner: Das kommt auf den Hund an. Der Afghane ist ein Traum. Den muss man nicht inszenieren. Da machst du nur eine leichte Handbewegung und der weiß, was los ist.

Barbara Novotny: Beide Hunde sind ziemliche Rampensäue.

Thomas Kasten: Das war aber auch harte Arbeit, diese Texte ins Hirn zu kriegen. Jetzt läuft das super und macht Spaß, aber bei den Proben hatte ich gar keine Chance, da wirklich einen Spaß zu empfinden, weil ich mein Gehirn so gemartert hab.

Barbara Novotny: Ja die Reime …

Erich Josef Langwiesner: Ich denke mir immer, so etwas lerne ich relativ leicht und mir ist es auch so vorgekommen, als hätte ich es leicht gelernt und dann stehst du da und du hängst an den blödesten Stellen und denkst dir, das gibt es überhaupt nicht, da kannst du nicht hängen.

Thomas Bammer: Wenn es dich mal raushaut, dann haut es dich gleich ganz raus. Das war der Unterschied zum „Geizigen“, aber die Spielweise ist die, die wir dort entwickelt haben, um quasi das Publikum mit auf die Bühne zu ziehen. Dass du permanent mit zwei Partnern spielst, mit deinen Partnern auf der Bühne und mit dem Publikum, das hat Willert ja hier fortgesetzt, das ist ja der rote Faden durch den ganzen Molière. Das ist, glaub ich, auch der Grund, weshalb die Molière -Inszenierungen so beliebt sind, weil die Leute sich freuen, dass sie mitgenommen werden.

Thomas Kasten: Mitgenommen, aber nicht aufgefordert werden mitzumachen. Das ist nämlich auch noch etwas. Sie machen mit, indem sie reagieren und das finde ich auch gut, dass man einfach so direkt die Leute anspricht, ohne sie aufzufordern mitzumachen, weil das ist immer peinlich.

Thomas Bammer: Du gibst ihnen Macht, aber keine Verantwortung. Ich kann immer machen und alle reagieren. Das ist ja geil als Zuschauer.

Barbara Novotny: Als Spieler ja auch.

Thomas Bammer: Manchmal ja, manchmal nein.


Erich Josef Langwiesner: Thomas, du bist auch noch bei Willert in seiner letzten Inszenierung drinnen.

Thomas Kasten: Ja, jetzt bin ich noch in „Wasser im Meer“ von Nußbaumeder.

Erich Josef Langwiesner: Ich war in seiner allerersten in Linz drinnen. Die habe ich geliebt, das war eine meiner schönsten Theatererlebnisse überhaupt. Martin Crimp, „Der Dreh“. Als blinder Taxifahrer.

Das war der berühmte Dreh? Von dem die Bühnenbildelemente bis heute benutzt werden. Da steht ja auf ganz vielen auf der Rückseite noch „Der Dreh“ drauf.

Erich Josef Langwiesner: Florian Parbs hat das gemacht. Ein geiles Bühnenbild, das war ein sagenhaft schönes Bühnenbild.

Thomas Kasten: Das war doch das Bühnenbild, wo eine Kollegin auf der Generalprobe in der Versenkung verschwunden ist, weil die nochmal im Finsteren raus ist.

Erich Josef Langwiesner: Gott sei Dank ist der nichts passiert. Der Techniker, der unten auf der Leiter stand, der hatte viel mehr Blessuren.

Thomas Kasten: Der Intendant Stögmüller ist mal in seiner eigenen Inszenierung von „Bauer als Millionär“ in die Versenkung gefallen. Ich war der Junge, der eine Kegelkugel schiebt und dann fallen alle neun um und ein großer Adler kommt aus dem Plafond herunter, so ist es beschrieben. Da ist der Ring drinnen und ich habe den Ring geholt und musste dafür über die offene Versenkung springen. Und der Intendant hat gesagt: „Nein, du musst das so schmeißen.“ Immer wieder hinter mir und immer noch einmal und noch einmal. Und dann schmeiß ich und er sagt nichts mehr und ich renn alle neune und hol den Ring und denk mir, was ist denn jetzt los, da stehen so viele Kollegen und schauen da runter. Und dann lag er unten. Er hat hat mir zugeguckt und vergessen, dass die Versenkung runtergeht, und ist rückwärtsgegangen. Er kam rauf und hat gesagt: „Weitermachen, weitermachen.“ Und hat sich unten hingesetzt. Und irgendwann hat man nichts mehr gehört von ihm. Schwere Gehirnerschütterung, Schlüsselbeinbruch, ab in Krankenhaus. Das tut mir leid.

Barbara Novotny: Intendanten, die im Inszenierungseifer ihre eigenen Bühnenbilder herunterfallen, das kennen wir doch …

Erich, du warst schon im Linzer Ensemble, als Gerhard Willert vor 18 Jahren kam, oder? Und Thomas, du kamst damals mit ihm zusammen?

Thomas Kasten: Ich kam mit Willert und meine erste Arbeit mit ihm war „Rückkehr in die Wüste“ von Koltès im großen Haus. Crimp, Franzobel, Koltès – das gab’s alles gleich in der ersten Spielzeit!

Erich Josef Langwiesner: Aber frag nicht nach Sonnenschein. Da ist es schon zur Sache gegangen. Da haben die Linzer ordentlich mit den Ohren geschlackert. Die Entrüstung beim „Sturm“, das war irre. Und geil. - Wird das Schauspielhaus nächste Spielzeit nicht auch mit „Sturm“ eröffnet?

Barbara Novotny: Wir haben ja auch mit Shakespeare angefangen. „Maß für Maß“. Das war der Beginn der Ära Mennicken.

Thomas Bammer: Das sind exakt zehn Jahre – mein längstes Engagement.

Barbara Novotny: Meins auch, ich hatte noch kein anderes. Ich kam ja direkt vom Max-Reinhardt-Seminar. Es hat hier einfach alles gestimmt, so einfach ist das.

Thomas Kasten: Das war auch mein längstes Engagement. 18 Jahre an einem Haus. Aber Erich, du bist ja schon 30 Jahre da, du hast ja schon eine Inventarnummer.

Erich Josef Langwiesner: Ich hab hier noch mit dem Pervu gespielt – Klaus von Pervulesko.

Thomas Kasten: Ja, ich auch, aber viel früher.

War das seltsam damals für dich, nach so langer Zeit an ein Haus zurückzukehren?


Thomas Kasten: Ich wollte zurück nach Österreich und ich hatte eine schöne Arbeit mit Willert gehabt in Freiburg und das hat mir gut gefallen. Ich habe ihn gefragt, „ich will zurück nach Österreich, ist da noch was frei“. „Ja schon, ich hätte ja geglaubt, du willst in Freiburg bleiben“. Sag ich „nein, ich will nicht in Freiburg bleiben“. Und so kam es zustande. Von wo kamst du, Thomas?

Thomas Bammer: Ich war drei Jahre in Oldenburg bei Mennicken fest engagiert gewesen, hatte mich dann aber wieder für die Selbstständigkeit entschieden und war deshalb sehr überrascht, als Mennicken und Willert mich fragten, ob ich ins Ensemble komme. Und dass ich dann auch noch so lange geblieben bin, hat mit der Arbeitsatmosphäre hier zu tun, eine, wie ich sie anderswo an einem festen Haus noch nicht erlebt habe. Das besondere, was hier entstanden ist, das ist die angstfreie Zone – ein Vertrauen im Miteinander, ein Klima von Wertschätzung und Respekt. Jetzt klinge ich vielleicht wie ein Pfarrer, aber das sehe ich als die Basis allen kreativen Arbeitens, überhaupt allen Arbeitens miteinander. Und damit meine ich nicht Ringelpietz mit Anfassen – hier konnte auch heftig gestritten werden.

Barbara Novotny: Oh ja! Aber immer wollten wir etwas miteinander erzählen.

Thomas Bammer: Und erst so ist man auf Dinge gekommen, die einen selbst überraschen.

Barbara Novotny: Und jeder konnte sich mit seinen ganz eigenen Qualitäten einbringen. Denn das Ensemble war ein heterogenes, eines verschiedenster Persönlichkeiten. Aber eben auch deshalb so spannend.

Thomas Bammer: Und diese ganz besondere Atmosphäre mache ich am Schauspieldirektor fest. Der ist schon ein toller Ermöglicher. Aber so eine Atmosphäre bleibt nicht hermetisch, die schlägt Wellen – wie ein Stein, den man ins Wasser wirft. Diese Atmosphäre wurde uns auch vom Publikum gespiegelt, das genau das wahrgenommen hat. Die sind nicht star-fixiert, weil es das hier nicht gab. Die haben immer das ganze Ensemble miterlebt.

Thomas Kasten: Und auch so konnte nur etwas entstehen wie die LESEZEICHEN-Reihe. Etwas Ähnliches hatte ich auch schon an diversen Häusern davor probiert – immer ist das nach ein oder zwei Versuchen wieder eingegangen. Hier aber hatte ich nie Mühe, diese Reihe zu programmieren. Denn jeder wollte gerne etwas beitragen. Darum beschließen wir das auch am 26. Juni im größeren Rahmen, alle gemeinsam abends auf der Kammerspielbühne – den Hinweis kann ich mir nicht verkneifen. Das ist dann das 153. LESEZEICHEN und das letzte.

Ein schöner Bogen am Ende zum Auftakt unserer Interviewserie, wo es ja ums NACHTSPIEL ging, auch etwas, was nur aus dieser besonderen Ensembleatmosphäre heraus entstehen konnte. Aber eine letzte Frage noch: Wo zieht es euch denn hin?

Thomas Bammer: Da es gar nicht so einfach ist, die Wurzeln herauszuziehen nach so einer Zeit, besonders, wenn hier beide Töchter aufgewachsen sind beziehungsweise noch aufwachsen, bin ich mit meiner Familie nur ein paar Kilometer die Donau hinauf gezogen, nach Ottensheim.

Thomas Kasten: Ich auch, aber auf den Berg. Ich schau von Kirchschlag herab, was hier so getrieben wird.

Erich Josef Langwiesner: Wie Adalbert Stifter! Ich dagegen aus dem See heraus, aus den Tiefen des Traunsees.

Thomas Bammer: Ob ich schau, weiß ich gar nicht. Keine Ahnung.

Barbara Novotny: Und mich zieht es die Donau entlang in die andere Richtung, zurück nach Wien. Denn es hat ja auch sein Gutes, neu anzufangen.


Ausklang der Gesprächsreihe mit Ensemblemitgliedern der Schauspieldirektion Gerhard Willert. Das Gespräch führte Kathrin Bieligk.

NACHLESE: DER OPERNDIREKTOR

Montag, 9. Mai 2016


„Pfiffig, frisch und kurzweilig“ 

Vergangene Woche erlebte die Opera Buffa Der Operndirektor von Domenico Cimarosa eine heitere und viel beklatschte Premiere im HauptFoyer des Musiktheaters. John F. Kutil entstaubte das Werk und verhalf ihm zu neuem Glanz. Die geglückte Zusammenarbeit zwischen Landestheater und Anton Bruckner Privatuniversität gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Opernstudio in der neuen Saison.

Die „frische und kurzweilige Opernminiatur“, gefiel Elisabeth Rathenböck (Kronen Zeitung) sehr gut. John F. Kutil „inszenierte mit Augenzwinkern sehr pfiffig“. „Sängerisch glänzt Dominik Nekel; kongenial kontert Christ Ratzenböck.“ Unter den Studierenden überzeugen „Kie Kanazawa und Miriam Böhmdorfer; selbstbewusst auch Rastislav Lalinsky.“ „Marc Reibel … führt das Orchester lustvoll an.“ „Das Stück ist das sehenswerte Ergebnis einer Zusammenarbeit vom Landestheater mit Musikern und Sängern der Bruckner Uni.“


Als „leichte, aber gute Sommerkost“, beschreibt Paul Stepanek (Neues Volksblatt) die Premiere. John F. Kutil inszeniere die Opera Buffa flott als Farce. „Das Premieren Publikum spendete nach kurzweiligen 75 Tohuwabohu-Minuten reichlich Applaus.“


„Flotte Premiere“ heißt es gleich zu Beginn in Lukas Lugers Besprechung in den Oberösterreichen Nachrichten. Nekel spiele „mit Verve und viel Augenzwinkern“ den Titelhelden.  Kie Kanazawa: „entzückend, stimmlich überzeugend“. Miriam Böhmdorfer: „ein beachtliches Bruckneruni-Talent.“ Christa Ratzenböck: „herrlich giftig“. Rastislav Lalinsky: „mit toller Stimme, lässigen Gags, der heimliche Star des Abends“. „Lustvoll, mit viel Charme und gespickt mit gelungenen Insiderschmähs erweckt das aus Profis und Studenten zusammengestellte Ensemble die Welt hinter dem Vorhang.“ Das Fazit: „Locker-flockige Unterhaltung, aber gekonnt serviert!“

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PRESSESCHAU TARTUFFE

Mittwoch, 30. März 2016

Molière mit Vasilij Sotke ist ein echter Publikumsmagnet. Großes Theater!

Am 24. März 2016 feierte Molières Komödie Tartuffe in der Regie von Schauspieldirektor Gerhard Willert Premiere und verspricht ein großer Publikumserfolg zu werden.

Großes Theater 
„TARTUFFE in der Regie von Schauspielchef Gerhard Willert … ist risikofrei großer Publikumserfolg zu prophezeien … Vasilij Sotke ist ein ausgefuchster Tartuffe-Dämon. Verschlagener bis devoter Blick, kein Gehampel ist zu groß, keine Geste zu klein - wie er Molières Witz balanciert, ist großes Theater. Thomas Bammers Orgon spiegelt exakt und schmerzhaft glaubwürdig Hingabe und Wut von Verführungsopfer und Betrogenem. Die Bruckneruni-Studentin Viola Müller gedeiht als Mariane zur Entdeckung - trotzdem gibt über allen Barbara Novotny als Dorine die Fäden nicht aus der Hand. Sie stattet ihre Figur mit vulgärer Vitalität und einfühlsamer Schläue aus, ein prächtiger Kontrast zum aufgebrachten Wohlstandselend - wie es Björn Büchner als Orgons Sohn zeigt. … Das Publikum dankt mit herzlichen Premieren-Bravos“ – so fasst Peter Grubmüller von den Oberösterreichischen Nachrichten seine Sicht auf die Premiere zusammen.

Bravourös gemeistert 

„Die Inszenierung von Gerhard Willert in den Kammerspielen setzt erfreulicherweise vor allem in den Kostümen und auch in der Ausstattung auf Historisches, die Figuren werden nicht gewaltsam „modernisiert“. Die deutsche Fassung — gereimt — und die Textfülle verlangen den Schauspielern hohe Sprachgenauigkeit ab, was diese über die mehr als zwei Stunden bravourös meistern“, so das Fazit von Werner Rohrhofer vom Neuen Volksblatt.

Begeisterter Applaus! 
„Molière mit Vasilij Sotke in der Hauptrolle ist am Linzer Landestheater ein echter Publikumsmagnet, ist sich Claudia Tröster von der Kronen Zeitung sicher. „Wiederholten Szenenapplaus gab es bei der Premiere nicht nur für „Tartuffe“ Vasilij Sotke, der sich im kardinalsroten Wams, aber auch fast nackt komödiantisch ins Zeug legt. Barbara Novotny (Dorine) und Gunda Schanderer (Elmire) stehen ihm aber um nichts nach. Kronen Zeitung überzeugt. „Ein köstliches Liebespaar geben „Mariane“ Viola Müller und „Valère“ Markus Pendzialek ab. Thomas Bammer ist der getäuschte Orgon. Weiters unterhalten Eva-Maria Aichner, Björn Büchner, Thomas Kasten, Erich Josef Langwiesner (samt Hund) und viele andere. Begeisterter Applaus!“

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